Praktische Ausgaben

2019

85,00 €

Begründung der Jury

Tschechische Musik vom Beginn des 20. Jahrhunderts wird heute vor allem mit Leoš Janácek und Bohuslav Martinu identifiziert. Aber es gab in der tschechischen Orchestermusik auch eine Linie, in der die Tonsprache von Smetana und Bruckner mit den harmonischen und klanglichen Neuerungen eines Gustav Mahler verschmolzen wurde. Das bedeutendste Werk dieser spätromantischen Richtung ist Josef Suks Zweite Sinfonie op. 27 mit dem düster raunenden Beinamen „Asrael“. Suk (1874–1935) hatte gleich zwei traurige Ursachen, den Todesengel der christlichen, jüdischen und islamischen Religion aufs Titelblatt zu setzen, denn gut ein Jahr nach dem Tod seines Schwiegervaters Antonín Dvorák im Mai 1904 starb die Gattin Otilie, eine Tochter von Dvorák, an einer Herzkrankheit. Es ist der Charakter eines doppelten Requiems in fünf Sätzen, der das Publikum der Prager Uraufführung 1907 beeindruckte ? aber auch Kollegen wie Vítezslav Novák, der den tragischen Ton und die expressive Schärfe der Sinfonie jenseits aller folkloristischen Anklänge als Geburtsstunde der modernen tschechischen Sinfonie empfand.

1907 erschienen bei Breitkopf & Härtel Partitur und Orchesterstimmen – seitdem gab es keine Neuausgabe, die den Zustand des Notentextes wissenschaftlich-kritisch hinterfragt hätte. Jonáš Hájek, Lektoratsleiter bei Bärenreiter Praha (und ein produktiver Lyriker), hat jetzt die Quellen der „Asrael“-Sinfonie überprüft, etliche Unstimmigkeiten in der gedruckten Partitur, vor allem in Dynamik und Artikulation, entdeckt und außerdem die Stimmen für ein fünftes und sechstes Horn ad libitum eingefügt, die Suk 1921 auf Wunsch des Dirigenten Václav Talich hinzugefügt hatte. Damit ist erstmals eine verlässliche, außerdem sehr lesbare und übersichtliche Ausgabe mit dreisprachigem Vorwort entstanden, die das zentrale tschechische Orchesterwerk vor dem Ersten Weltkrieg den Konzertsälen der Welt empfiehlt.

2018

39,95 €

Begründung der Jury

Im Jahr 2012 starb mit 83 Jahren in Amsterdam Gustav Leonhardt, ein Pionier der Wiedererkundung barocker Tastenmusik und, als Chef des Leonhardt Consorts, auch ein Dirigent mit weiter Ausstrahlung. Seit dem Cembalo- und Orgelstudium bei Eduard Müller in Basel stand Johann Sebastian Bach im Zentrum von Leonhardts Interesse; spätestens nach der Einspielung der Goldberg-Variationen und der Kunst der Fuge auf dem Cembalo von 1953 galt das kraftvolle und wohlkalkulierte Bach-Spiel des Niederländers als Referenz für jeden, der sich mit der Tastenmusik des 17. und 18. Jahrhunderts beschäftigte. Als Musikforscher hat sich Leonhardt kritisch mit den Quellen von Bachs Musik auseinandergesetzt. Aber er hat nicht nur versucht, einen vermutlichen „Originalklang“ zu erreichen, sondern auch Rolle und Funktion der Interpreten zur Bachzeit studiert – dazu gehörte die Wahl des Instruments und der Spielpraxis genauso wie das Arrangement eigener und fremder Musik für den aktuellen Aufführungsapparat.

Zwischen 1975 und 1978 hat Leonhardt für eigene Konzertauftritte mehrere Solowerke von Johann Sebastian Bach fürs Cembalo umgeschrieben. Darunter waren die Sonaten und Partiten für Violine solo – mit Ausnahme von BWV 1003, die bereits in einer Bearbeitung des 18. Jahrhunderts (von Bach?) in der Neuen Bach-Ausgabe vorliegt –, drei Suiten für Violoncello solo und zwei Einzelsätze aus der Flötenpartita BWV 1013 und der Lautensuite BWV 997. Leonhardt selbst hat die meisten dieser Arrangements in den siebziger Jahren eingespielt – und man hört schon den Aufnahmen an, wie raffiniert und idiomatisch er die technischen und klanglichen Eigenheiten der Streicher auf dem Cembalo klingen lässt. Selbst die vielfach bearbeitete Chaconne aus der d-Moll-Partita (Leonhardt hat sie wie die meisten Werke transponiert, in diesem Fall nach g-Moll) wirkt in seiner Version frisch, brillant und keineswegs überladen.

Auf Initiative von Leonhardts Witwe Marie und der Tochter Saskia hat Siebe Henstra, ein Schüler des Meisters, die Bearbeitungen erstmals nach den Handschriften herausgegeben (zum Vergleich sind manche Blätter im Faksimile abgedruckt). Auch wenn Leonhardt selbst das immer bescheiden abgelehnt hat: Die Perfektion der „Verwandlung“ ist erstaunlich und in keiner Weise bevormundend, die Arrangements sind ein Ergebnis jahrzehntelanger Praxis und Bach-Vertrautheit, der Druck der Ausgabe ist vorbildlich. Ein faszinierender Blick in die „Küche“ eines großen Interpreten – und eine Bereicherung für das Repertoire von Professionellen und Studierenden auf dem Cembalo.

149,00 €
Preisermäßigung bei Fortsetzungsbezug

Begründung der Jury

Mit dem Erscheinen des 7. Bandes („Loben und Danken“ bis „Sterben und Ewiges Leben“) findet diese im Jahre 2008 begonnene Edition ihren Abschluss. Sie konnte die Jury in mehrfacher Hinsicht überzeugen:

Zum einen durch die lobenswerte Zielsetzung, nebenberuflichen Organisten leichte bis mittelschwere Choralvorspiele samt Begleitsätzen zu den wichtigsten Liedern des Evangelischen Gesangbuches zur Verfügung zu stellen, die durch ihre Notation auf zwei Systemen auch auf einmanualigen Orgeln realisiert werden können.

Auch die Qualität der Kompositionen überzeugt. Die Vorspiele der beiden Komponisten erscheinen durchweg so charmant und originell, dass sie sich inzwischen auch der Wertschätzung hauptamtlicher Kirchenmusiker erfreuen und Ideen zum eigenen Improvisieren geben können.

Weiter positiv zu bewerten ist die äußere Form: Die Jury begrüßt die Aufteilung der Inhalte in sieben handliche, transportfreundliche Hefte im Querformat, die funktionale Ausstattung mit leichtem und schmutzresistenten Umschlagkarton und das gut lesbare Druckbild.

2017

46,95 €

Begründung der Jury

Der französische Musikwissenschaftler Denis Herlin, der das Cembalospiel bei Tastenlegenden wie Kenneth Gilbert und Huguette Dreyfus lernte, hat hier einen Klassiker der Cembaloliteratur noch einmal vorbildlich ediert. Der erste Band von François Couperins „Pièces de clavecin“ wurde schon von den Zeitgenossen des Jahres 1713 als Reform einer Gattung verstanden, die sich vorher meist an der Tanzmusik orientierte. Couperin dagegen vertraute dem Instrument ganz freie Formen in der Nähe des Charakterstücks an und versah sie mit poetischen, bis heute nicht restlos zu entschlüsselnden Titeln (das beigefügte Glossar versucht sein Bestes). Im ausführlichen Vorwort, dem man neben der französischen und englischen auch eine deutsche Version gewünscht hätte, erläuert Herlin Entstehungsumstände, Struktur, Ornamentierung und berührt auch die Instrumentenfrage. Der Notensatz ist von entzückender Klarheit, wenn auch zuweilen raumsparend eng gehalten. Welche Sorgfalt schon Couperin auf den Stich seiner „Pièces de clavecin“ legte, bezeugen die eingestreuten Faksimiles des Erstdrucks, die dieser Ausgabe einen bibliophilen Touch verleihen.

2010

34,50 €

Begründung der Jury

Die Sammlung wichtiger zeitgenössischer Klaviermusik des 20. Jahrhunderts wird im modernen Gewand präsentiert. Begrüßenswert ist zudem der Mut, durch eine neue Covergestaltung vom traditionellen Verlagsimage abzuweichen, und dadurch mit dieser klaren editorischen Ausgabe junge Käuferschichten anzusprechen.

2007

64,00 €

Begründung der Jury

Mit dieser Publikation unterstützt der Verlag aktiv die Verbreitung des Repertoires des Komponisten. Werke französischer Komponisten sind für Musizierende  in Deutschland leider zum größten Teil nur als teure Importe verfügbar. Höchste Zeit daher, dass deutsche Musikverlage nun beginnen, diese Lücke zu füllen. Daher ist die vorliegende Ausgabe als sehr innovativ anzusehen und den Musikeditionspreis 2007 wert.

2005

31,95 €

Begründung der Jury

Eine vorbildliche praktische Ausgabe, die mit einem ausführlichen wissenschaftlichen Kommentar ausgestattet ist.

2002

44,50 €

52,00 €

1999

47,50 €

1994

47,00 €