Wiederaufbau

Am Abend des 8. März 1945 ging der zweite schwere Luftangriff auf Kassel nieder, der die Verlagsgebäude größtenteils zerstörte. Nur wenige Verlagsbestände blieben erhalten: Der Bärenkeller und dessen Inhalt haben „überlebt“. Zunächst galt es, das Nötigste wieder aufzubauen. Nach dem ersten halben Jahr hatte das Hauptgebäude wieder ein Dach. Karl Vötterle schrieb im Haus unterm Stern:

„Ich danke Gott, daß mir mein Vater, der gelernter Maurer war, viel praktischen Blick und manche Kenntnisse vererbt hatte, und mit einem Hochgefühl ohnegleichen habe ich, mit dem Setzer Gottlieb Göbel und dem Buchhändler Otto Fricke auf den durch zwei Stockwerke ausgebrannten Mauern stehend, die Balken am Seil hochgezogen und in die Waage gelegt und ohne Fachmann das Dach des großen Gebäudes selbst gezimmert.“

30 Mitarbeiter waren es in der Stunde Null, die die Aufbauarbeit leisteten.

Karl Vötterle hatte während des Krieges antiquarische Bücher gekauft, die er bei Bad Wildungen eingelagert hatte und die dadurch erhalten geblieben sind. Es waren Publikationen aus allen Bereichen. So eröffnete er sein Geschäft neu mit dem Bärenreiter-Antiquariat. Aus alten Gewehrständen wurden die ersten Bücherregale gebaut. Gegen Ende 1948 waren die Satz-, Druck- und Buchbindermaschinen wieder funktionsfähig. Die eigentliche Verlagsarbeit konnte beginnen, nachdem Richard Baum am 25. Januar 1946 die Lizenz der amerikanischen Militärregierung bekommen hatte. Eine große Herausforderung stellte der ständige Papiermangel dar. Dennoch konnten bereits in den ersten vier Jahren vierhundert Bärenreiter-Ausgaben neu gedruckt werden.