Wandervogel

Der „Wandervogel” gehört zur Jugendbewegung und lässt sich bis ins Ende des 19. Jahrhunderts nach Berlin-Steglitz zurückverfolgen. Die ersten Anhänger waren Schüler und Studenten aus bürgerlichen Kreisen. Man wollte sich von den Zwängen der Verstädterung befreien und strebte nach einem Leben im Einklang mit der Natur. Dem Singen von Volksliedern wurde große Bedeutung beigemessen. Äußeres Kennzeichen war Schlichtheit, die sich in der Art der Kleidung und der Beziehung zur Heimat ausdrückte. Der Verein wurde 1901 von Karl Fischer gegründet. In einer Zeit, die von vielen ideologischen Strömungen durchzogen war, wollten die Wandervögel mit Neutralität begegnen. Während des Nationalsozialismus wurde die Bewegung aufgelöst und der Hitlerjugend einverleibt oder verboten.

Über die Namensgebung gibt es verschiedene Theorien. Eine besagt, dass er auf ein Gedicht Otto Roquettes zurückzuführen ist. Im ersten Vers wird der Wandervogel erstmals auf Personen angewandt. Eine andere geht davon aus, dass der Name auf ein Gedicht aus der Sammlung „Leaves of Grass” von Walt Whitman' zurückgeht. Eine weitere Interpretation beruft sich auf die Grabinschrift Kaethe Brancos, einer Tochter Hermann von Helmholtz' auf dem Friedhof Berlin-Dahlem. Im ersten Vers wird auf die Wandervögel Bezug genommen.

Karl Vötterle schloss sich in jungen Jahren dem „Wandervogel“ an und publizierte im Bärenreiter-Verlag für die Singbewegung die ersten Liederblätter, die als Finkensteiner Blätter bekannt geworden sind.