Kasseler Musiktage

Die Kasseler Musiktage wurden 1933 vom Arbeitskreis für Hausmusik gegründet. Die aus der Jugend- und Laienmusikbewegung hervorgegangene Vereinigung, die dem Bärenreiter-Verlag und seinem Leiter Karl Vötterle nahestand, wollte mit den Musiktagen eine Veranstaltung ins Leben rufen, die ein Gegengewicht zur aufkommenden politischen und kulturellen Gleichschaltung darstellte. „Stilechte und vorbildliche Wiedergabe“, „eigenes Singen und Spielen“, „Einführungen in neue Musik“ waren die wichtigsten Stichworte für das erste Programm im Herbst 1933. In den sechs Musiktagen bis zur kriegsbedingten Unterbrechung gewann das Musikfest mit seinem programmatischen Spagat zwischen der Musik von Renaissance und Barock sowie der gemäßigten Moderne von Distler, Pepping, Bornefeld und anderen schnell an Anerkennung weit über Kassel hinaus.

Bei den ersten Nachkriegsmusiktagen 1950 wurde diese Verknüpfung zunächst nahezu unverändert beibehalten, ehe allmählich ein Wandel vom Mitmachen zum Mitdenken vollzogen wurde. Seit 1970 wurde für jedes Jahr ein meist anspruchsvolles Thema formuliert, das auch in Vorträgen und Symposien behandelt wurde. Neue Programmbereiche kamen hinzu wie die Reihe „neue musik in der kirche“, die avantgardistischer Kirchenmusik ein Forum bot. Auch die Öffnung zu bisher gemiedenen Epochen wie der Romantik wurde vollzogen, Uraufführungen bekannter Komponisten durch namhafte Interpreten gehörten zum festen Bestandteil der Kasseler Musiktage.