Karl Vötterle (1903–1975)

Karl Vötterle an seinem Schreibtisch

Der in Augsburg geborene Karl Vötterle absolvierte eine Buchhandelslehre in seiner Heimatstadt. Noch nicht volljährig, gründete er im September 1923 in Augsburg den Bärenreiter-Verlag, und zwar in der Wohnung seiner Eltern. Erst am Tag seines 21. Geburtstages, am 12. April 1924, konnte er den Verlag ins Handelsregister eintragen lassen. Nach Vötterles Heirat mit seiner ersten Frau Maria Zeiß zog der Verlag 1927 nach Kassel um. Nach ihrem Tod 1944 heiratete der Verleger im darauf folgenden Jahr Hildegard Preime, geb. Schaub. Aus dieser Ehe ging Barbara Vötterle hervor, die heute zusammen mit ihrem Mann, Leonard Scheuch, den Verlag führt.

Karl Vötterle schloss sich in jungen Jahren der Singbewegung an und publizierte für sie die ersten Liedblätter, die als Finkensteiner Blätter bekannt geworden sind. Er hatte sehr enge Verbindungen zur evangelischen Kirche. Der Verleger gründete zusammen mit Richard Baum 1933 die Kasseler Musiktage. Zahlreiche weitere musikalische Institutionen gehen auf Vötterles Initiative zurück. 1949 erschien der erste Band der Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Analog zu den Dichter-Gesamtausgaben setzte sich Vötterle für die Musiker-Gesamtausgaben ein. Um vor allem die Werke Bachs und Händels auch mit den Kollegen in der DDR herausgeben zu können, regte Vötterle die Gründung des Deutschen Verlags für Musik (DVfM) in Leipzig an.

Karl Vötterle 1956 an der Ruine der Frauenkirche in Dresden anlässlich des Heinirch-Schütz-Gedenkens

Für seine Verdienste erhielt Karl Vötterle zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. So erhielt er 1953 die Ehrendoktorwürde von der Philosophischen Fakultät der Universität Kiel und von der evangelischen Fakultät der Universität Leipzig. Die Universität Marburg ernannte ihn zum Ehrensenator. Die Bundesrepublik Deutschland, die Republik Österreich, die Tschechoslowakei, das Land Hessen und Bayern sowie die Stadt Kassel ehrten ihn mit Orden. 1970 wurde Karl Vötterle die silberne Ehrenmedaille der Universität Ljubljana verliehen.

In der Zeitschrift Musica erschien nach Karl Vötterles Tod am 29. Oktober 1975 ein Nachruf:

„Karl Vötterle steckte immer voller Ideen. Auch wer ihn erst relativ spät persönlich kennenlernte (...), der war fasziniert von der in keinem Gespräch erlahmenden Anregerleidenschaft dieses Mannes, von seinem schier unwiderstehlichen Drang, mit der Musik das Dasein der Menschen zu bereichern, zu verschönen, zu vertiefen, mit der Musik Brücken zu schlagen – auch über Grenzen hinweg, selbst durch sogenannte Eiserne Vorhänge hindurch.“