Finkensteiner Blätter

Erstausgabe der Finkensteiner Blätter 1923/1924

So wurden die ersten Ausgaben des Verlages genannt. Es handelt sich dabei um Liederhefte, die in monatlicher Folge erschienen. Sie wurden von Walter Hensel in den Jahren 1923 bis 1933 herausgegeben. Im Vorwort der ersten Ausgabe aus dem Jahre 1923 ist zu lesen:

„Wir grüßen dich, lieber Leser und Singer, und möchten dir kurz dartun, was wir mit diesen Liederblättern wollen. Noch ehe der Ruf zur Finkensteiner Singwoche ergangen, hatte der Verleger den Gedanken, ein Liederflugblatt auszusenden, durch das wir wieder allmählich zu den alten Quellen heimischen Volksgesanges zurückfinden möchten. Es hat sich bewährt. Heute, wo der Name Finkenstein in aller Munde ist, dünkt es uns, es habe gar nicht anders kommen können. Hilf auch du mit an einer geistigen Wiedergeburt unseres Volkes durch sein Lied! Eines müssen wir zu bedenken geben: eine Verbreitung von Mund zu Mund, wenn ihr's imstande seid, soll uns nur willkommen sein; ein Abschreiben aber können wir nicht zulassen! Dazu sind die Hefte zu wohlfeil, Autor und Verleger müssen davon leben und gebrauchen den Erlös ohnedies nur zum Ausbau der hier begonnenen Arbeit. Das Recht der Aufführung räumen wir gerne ein. Es ist kennzeichnend für sachlich unterlegene Gegner, daß sie uns damit zu verleumden suchen, als wollten wir dem Volke etwas vorenthalten, wo wir gerade das Gegenteil im Sinn haben und durch unsere Arbeit hinreichend bezeugen!“

Finkenstein liegt in Mähren, in der Nähe von Mährisch-Trübau (Moravská Třebová) und bezeichnet eine kleine Region. Dort fanden die ersten Singwochen statt. Walther Hensel gilt als der Begründer der Finkensteiner Singbewegung. Hier begegneten sich auch Walter Hensel und Karl Vötterle erstmals.

Der erste Verlagskatalog weist auf das Ziel der Singbewegung hin:
„Erfüllt von einer ernsten Musikauffassung, die in der Musik die Offenbarung innerster Seelenstärke verehrt und angewidert von dem ungeheuren Musikunfug der Zeit, waren wir alle gekommen, um uns die Seele zu stärken an den Werken unserer großen deutschen Meister. Daß wir aber in den Chören aus der Zeit der Hochblüte des deutschen Chorgesangs eine Gemeinschaftskunst erleben, die uns zu Trägern eines überirdischen Musikgeistes zu machen schien – daß es uns in manchen Stunden gemeinsamen Singens zumute war, als durchflute uns alle eine einzige große Kraftwelle, die uns weit über uns selbst erhob – daß uns alles Technische gleichsam unter der Macht einer Eingebung wie ein Geschenk zufiel: das können wir nicht anders denn ein Wunder bezeichnen, das sich an uns vollzogen hat. Uns hat sich in Finkenstein die Musik zu erkennen gegeben als eine alles überwindende Lebensmacht, die ganz neue Kräfte im Menschen zu entfesseln, ihn über sich selbst zu erheben vermag. Und von diesem Musikerlebnis wollen wir nicht aufhören zu künden, auf daß es uns gelinge, recht viele unserer Brüder und Schwestern herauszuführen aus dem Sumpfe der Unkultur, in dem unser ganzes Volk zu ersticken droht.“