Bedřich Smetana

Bedřich Smetana, Photographie ca. 1880

Bedřich Smetana (2.3.1824 Litomyšl – 12.5.1884 Prag) erlangte bereits zu seinen Lebzeiten Anerkennung als beispielloser Repräsentant der tschechischen Musik und der nationalen Kultur überhaupt. Er war ein Künstler von europäischem Format, großem Horizont und zugleich ein echter Patriot. Mit seinem Schaffen und seinen weiteren vielseitigen Tätigkeiten – er war Pianist, Dirigent, Pädagoge, Musikkritiker und Organisator des Musiklebens – schuf er beharrlich und programmatisch die Grundlagen der modernen tschechischen Musik und des Musiklebens in seiner Heimat.

Ema Destinnová als Mařenka in der Oper „Die verkaufte Braut“ (ca. 1908/09), Photo: J. F. Langhans, eSbírky, Národní muzeum – České muzeum hudby, CC BY 4.0

Sein Werk

In seinem Schaffen ließ Smetana sich von den neuesten Strömungen der romantischen Musik inspirieren, die er mit seinem eigenen klassischen Musikdenken verband. Seine Kompositionen basieren auf konzentrierter motivischer Arbeit und einer durchdachten formalen Struktur unter Berücksichtigung klassischer Musikformen, die er jedoch auf originelle Weise weiterentwickelte und erneuerte.

Sein kompositorisches Vermächtnis ist nicht sehr umfangreich. Von seinen acht vollendeten Opern erfreut sich insbesondere „Prodaná nevěsta“ (Die verkaufte Braut) weltweiter Popularität, ganz außergewöhnlich ist seine Oper „Libuše“ (Libussa), mit deren feierlicher Uraufführung am 11. Juni 1881 das Nationaltheater in Prag eröffnet wurde. Seine Orchester-, Kammer- und Klavierkompositionen bilden einen festen Bestandteil des internationalen Repertoires.


Editionsgeschichte

Die meisten Kompositionen Smetanas sind zu seinen Lebzeiten bei verschiedenen Prager Verlagen erschienen. Der Klavierauszug der „Verkauften Braut“ war der erste Titel des neu gegründeten Verlags Hudební matice und die allererste im Druck erschienene tschechische Oper überhaupt (1872). Ein für seine Zeit außergewöhnliches Verlagsprojekt war das von F. A. Urbánek veröffentlichte „Má vlast“ (Mein Vaterland) (Fassung für Klavier zu vier Händen, Partitur und Stimmen).

Ab Ende der 1930er-Jahre hat man mit einer kritischen Ausgabe, der „Studienausgabe der Werke Bedřich Smetanas“, begonnen, und während des 2. Weltkriegs wurde mit einer Gesamtausgabe der Klavierwerke (die ersten zwei Bände aus dem Jahr 1944 erschienen im selben Jahr in zweiter Auflage) in Angriff genommen. Beide anspruchsvolle Verlagsprojekte (Supraphon/Bedřich-Smetana-Museum) wurden in den folgenden Jahrzehnten reibungslos fortgesetzt.

In der kritischen Edition sind fast alle Werke Smetanas veröffentlicht worden. Lediglich ein Bruchteil von ihnen ist nach dem Tod der Hauptherausgeber František Bartoš (1973) und Hana Séquardtová (1983) unveröffentlicht geblieben.

„Tábor“ aus „Mein Vaterland“ für Klavier zu vier Händen, 1. Ausgabe mit der Illustration von Antonín König (Fr. A. Urbánek, 1880), eSbírky, Národní muzeum – České muzeum hudby, CC BY 4.0

Bärenreiter Urtext aus Prag

Der Verlag Bärenreiter Praha hat den Staffelstab von seinen Prager Vorgängern übernommen und betreut Smetanas Werk weiterhin in neuen und zeitgemäßen Urtext-Ausgaben – beispielsweise das Virtuosenstück für Klavier „Macbeth“ oder die erste kritische Ausgabe der Klavierstücke „Rêves“ (Träume) und der „Tschechischen Tänze“.

Der bisher herausragendste Smetana-Beitrag des Prager Verlags ist die neue, nach mehr als 50 Jahren erschienene Urtext-Ausgabe des sechsteiligen Zyklus von symphonischen Dichtungen „Mein Vaterland“, des ikonischen Werkes des tschechischen Orchesterrepertoires schlechthin.  Mit der Jahrtausendwende war die Zeit reif für eine neue Ausgabe, die die Quellen neu auswertet, neue philologische Ansätze berücksichtigt und damit eine optimale Aufführung des Werkes ermöglicht. In den letzten Jahren ist „Mein Vaterland“ in dieser Form zu einem außerordentlichen Erfolgsstück bei Orchestern und renommierten Dirigenten weltweit geworden, die dieses Werk bereits nach der Neuausgabe von Hugh Macdonald aufführen.