Ein Monument im Faksimile

Die Handschrift der „Symphonie fantastique”

Die „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz  ist eines der großen Monumente der romantischen Musik. Im Jahre 1830 uraufgeführt, markiert sie den entscheidenden Durchbruch in Berlioz’ Karriere und verkündete zugleich die neuen Ausdrucksmöglichkeiten der instrumentalen Programmmusik. Sie verband die romantische Leidenschaft mit den Ausmaßen einer Beethoven-Sinfonie, verband und vereinigte so den persönlichen und den instrumentalen Ausdruck auf eine Weise, die die fortschrittlichste Musik des 19. Jahrhunderts – zumal diejenige von Liszt und Wagner – beeinflusste. Bei den frühen Aufführungen des Werkes ließ Berlioz ein gedrucktes Programm verteilen, das über die dramatische Erzählung des Werkes informierte.

Die autographe Partitur ist ein Dokument von 292 Seiten in verschiedenen Formaten. Jeder der fünf Sätze ist einzeln paginiert, und vier davon haben ihr eigenes Titelblatt. In den ersten drei oder vier Jahren nach der Komposition des Werkes wurde die Partitur als Aufführungspartitur verwendet, bevor eine vollständige Abschrift genommen wurde, die der Erstausgabe von 1843/44 als Vorlage diente und heute verloren ist. Sie enthält Revisionen, die der Komponist vor 1834 vornahm, und entspricht weitgehend der Klaviertranskription, die Liszt von der Symphonie fantastique anfertigte und die im Oktober 1834 bei Schlesinger erschien. Viele der Änderungen nahm Berlioz dadurch vor, dass er die jeweiligen Takte oder Stimmen mit Papierstreifen überklebte.

Das überaus aufwendig gestaltete Faksimile aus dem Bärenreiter-Verlag (BVK 1601, € 720,–) gibt die Handschrift so wieder, wie sie heute vorliegt: mit den Papierstücken, die sich aufklappen lassen, so dass beide Versionen sichtbar sind.
Mit dem Faksimile haben Dirigenten, Musiker und Musikliebhaben die Möglichkeit, den faszinierenden Schöpfungsprozess eines der ganz großen Werke romantischer Musik nachzuvollziehen.

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