„Den untersten Boden, auf den ich mich beim Denken in Musik abstütze, erkenne ich, weit entfernt vom dodekaphonischen Zugang, in einer Ordnung der zwölf Tonorte, aufzufassen als diatonisch bis enharmonisch hintergründet. Es bleibt damit allerdings noch sehr viel offen, und tatsächlich bedeutet Komponieren für mich auch nicht das Ingebrauchnehmen einer außerhalb des aktuellen Kompositionsvorgangs bereitliegenden Musiksprache. Bemühe ich mich zu Beginn einer Arbeit um erste konkrete Formulierungen, geht dies häufig Hand in Hand oder fällt manchmal geradezu in eins mit der Suche nach einer konstruktiven Leitidee, von der her sich auf für das jeweilige Stück möglichst charakteristische Weise Fortsetzung und Zusammenhang gewinnen lassen. So sehr ich mich in der Werkstatt vor der Einübung ›bewährter Kunstgriffe‹ hüte, strebe ich als Ergebnis doch immer eine Musik an, die stimmig, sinnfällig, organisch gerundet und in sich abgeschlossen ist; und ein Experiment gilt mir dann als gelungen, wenn es vom Hörer als solches nicht wahrgenommen wird.“

  Ulrich Stranz

 


„Ulrich Stranz unterscheidet sich in besonderem Maße von jenen Komponisten, die durch einförmige Faktur piktogramm- ähnlich für leichte Erkennbarkeit sorgen, sich mühelos eingliedern lassen und den Zielgruppenangehörigen keinerlei Statusschwierigkeiten bereiten; er hat einen größeren Farben- und Formenreichtum, dessen Aroma sich dem erschließt, dessen Wahrnehmung auf feinstoffliche Ereignisse reagiert, und das ist sehr oft der so genannte ‚gewöhnliche Zuhörer‘, der vorprägungsfreier hört als der Experte.

In den langsamen Sätzen vor allem ... ist Stranz ganz bei sich selbst. Träumerisch, innig, selbstvergessen zieht die Musik den Hörer mit Zartheit zu sich, ein empfindlich wirkender, aber den Hörer nicht ins Bodenlose entlassender intimer Raum entsteht. Das Dramatische, mehr in lebhaften Sätzen zu finden, verbindet sich gerne mit einem spielerischen Impetus, das Konstruktive hat Eleganz... Solche Partien sind primär hell und kraftvoll, ohne zu blenden oder Muskeln zu zeigen. Stranz' Musik: wie jede Musik von Rang ist sie eher, als dass sie vorführt. Wer sich auf sie einlässt, d. h. sich nicht mit einer stilistischen Ortung begnügt, wird hier Entdeckungen machen, die das Seelenleben bereichern.“

   Wilhelm Killmayer