„Manfred Trojahn hat mit seinem umfangreichen kompositorischen Œuvre, das neben groß dimensionierten Orchesterwerken und Kammermusik vor allem Vokalwerke in unterschiedlichster Besetzung und mehrere abendfüllende Opern umfasst, eine in mehrfacher Hinsicht singuläre Position im Kontext der musikhistorischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte bezogen. Trojahn definiert seinen ästhetischen Standort in Abgrenzung von einem verengten und sich mehr und mehr verkrustenden Begriff der musikalischen Avantgarde, wie er sich nach 1945 in den Zentren der Neuen Musik etabliert hat. Demgegenüber vollzieht Trojahn den ästhetischen und kompositorischen Rekurs auf die musikalische Vergangenheit und auf komponierende Vorbilder, sei es die musikalische Moderne der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert oder seien es Komponisten wie Benjamin Britten und Hans Werner Henze.
Neben dieser Einbindung in musikhistorische Zusammenhänge bestimmen vor allem biographische Erfahrungen Trojahns Schaffen. Und es ist konsequent, wenn die dezidierte Reflexion über Erlebtes auch immer wieder auf das eigene Komponieren Anwendung findet: Trojahn komponiert selbstreflexiv, gleichsam seriell, so dass Werkgruppen entstehen, die in einem sehr engen strukturellen und inhaltlichen Bezug zueinander stehen. Bei all dem ist es Trojahn um die Überschreitung der Hermetik des Neue-Musik-Alltags zu tun. Die kommunikativen Möglichkeiten einer im emphatischen Sinne zeitgenössischen Musik stehen im Mittelpunkt seines Interesses.“

     Hans-Joachim Wagner (2002)