„Ich bin überzeugt, viele Leute würden meine Arbeiten mögen, wenn sie Gelegenheit hätten, sie kennen zu lernen: Mit dem Begriff ›Neue Musik‹ habe ich mich nie identifiziert. Eher trieb mich von Anfang an, dass es darum geht, das Uralte präsent zu machen. Ich suche nicht das Neue, ich suche eher das Verdrängte. Ich glaube nicht an Fortschritt in der Kunst (den gibt es kaum): ich glaube an Fortschritt in der Technik, die mit der Kunst zu tun hat.

Meine Wurzeln liegen zum Teil in der Westlichen Kunstmusik, zum Teil in dem Surrealismus (als Methode verstanden), in der Wissenschaft und in dem Erleben der wilden Natur. Das Motiv des Komponierens kommt aus mir selbst heraus und hat immer mit einem starken Wollen zu tun – hinsichtlich der Überwindung der gesellschaftlichen Schranken, der Überwindung des Begriffs Hochkultur, der Überwindung des Unterschieds zwischen Sparten und Fächern. Das Wollen ist dazu da, eine Wirkung zu erzielen. Für mich ist ein Kunstwerk eine vom Künstler geführte ‚Gruppen-meditation‘, die sich über Musik, Theater, Film, Video in der Zeit entfaltet.“

     Jorge E. López, September 1999


„Wenn der Begriff des Originellen – ja sogar des Originals – noch etwas bedeutet, dann wird er von Jorge E. López verkörpert. López steht für sich – und muss dennoch nicht mit der marktgängigen Formel von Außenseitertum fuchteln. Seine Werke haben alle Schwere von wirklichem Werk und sind dennoch offene Gebilde, transparente unabgeschlossene Prozesse, die sich an allen möglichen Rändern festhalten, um ihre intime Monumentalität gleichzeitig zu schützen und zu manifestieren. Ränder, Randgebiete sind zentral bei López. Er hat es mit den Massiven, den Tiefen, den Lüften und Klüften. Er taucht hinab und steigt auf, hämmert und klammert und das alles in weiß Gott gewaltigen Dimensionen. Die Klänge klingen ihm längst nicht genug: Bild und Bewegung und Szene brechen herein. Alles dehnt sich und ein wunderbar großer – aber auch angehaltener – Atem riskiert Spannung bis zum Bruch. Ein Künstler des Konflikts, der es wagt, dem Grandiosen nicht auszuweichen.“

    Wolfgang Rihm, 4. Februar 2000