Archaische Wucht: Scartazzinis „Edward II.“

Als Kompositionsauftrag der Deutschen Oper Berlin hat Andrea Lorenzo Scartazzini die Oper „Edward II.“ komponiert, die am 19. Februar 2017 dort ihre Uraufführung feiern wird. Gemeinsam mit dem Librettisten Thomas Jonigk schrieb der Schweizer Komponist ein Musiktheater über die schillernde und polarisierende Figur des mittelalterlichen englischen Königs. Vor allem Edwards Zuneigung zu Piers de Gaveston, einem Spielkameraden aus Kindheitstagen, ging in die Geschichte ein: als Beispiel höfischer Günstlingswirtschaft, aber auch als Bekenntnis eines Herrschers zu einem nicht standesgemäßen Freund und Geliebten. In der Kunst entwickelte sich die Figur Edwards II. über die Jahrhunderte hinweg zu einer Ikone der Schwulenbewegung. Von Christopher Marlowes Drama reicht die Serie von Bearbeitungen über Bertolt Brechts „Edward II“ bis zu Derek Jarmans berühmter gleichnamiger Filmversion. Thomas Jonigk und Andrea Lorenzo Scartazzini stellen in ihrer Auseinandersetzung die Frage nach dem Umgang auch der heutigen Gesellschaft mit Außenseitern.

Thomas Jonigks Libretto stützt sich auf Quellen des 14. Jahrhunderts sowie auf Marlowes Drama. In freiem Umgang mit den Vorlagen arbeitet er mit filmschnittartig nebeneinander gesetzten Szenen aus Edwards Leben, die von den Albträumen des Königs über Hetzjagden des Mobs, Buffo-Szenen in Shakespeare-Tradition bis hin zu Fragen nach Tod und Transzendenz einen Bogen schlagen. Die Komposition überträgt die Szenenfolge in ein dichtes, 90-minütiges Musiktheater für zehn Solisten, Chor und ein großes Orchester mit mächtigem Schlagzeugapparat.

19.2.2017 Deutsche Oper Berlin, Uraufführung
Andrea Lorenzo Scartazzini:
Edward II. Musiktheater in zehn Szenen
Libretto von Thomas Jonigk
Musikalische Leitung: Thomas Søndergard, Inszenierung: Christof Loy, Bühne: Annette Kurz, Kostüme: Klaus Bruns
Weitere Termine: 24.2., 1.3., 4.3., 9.3.2017
www.deutscheoperberlin.de