Heinrich Schütz

Mit Heinrich Schütz (1585–1672) öffnete sich die eher provinzielle Musik aus den deutschen Staaten erstmals der damaligen Moderne, die in Italien ihren unbezweifelten Mittelpunkt hatte. Sein vierjähriger Studienaufenthalt bei Giovanni Gabrieli von 1609 bis 1613 und der zweite Venedigaufenthalt bei Claudio Monteverdi von 1628 bis 1629 öffneten dem Komponisten aus Köstritz eine neue Welt. Auf der festen Basis der lutherischen Frömmigkeit entfaltete Schütz eine hohe Vokalkunst, die zumindest in Deutschland seinesgleichen suchte. Was Monteverdi mit den berühmten Worten „Oratio Harmoniae Domina absolutissima“ (Die Rede [das Wort] ist die absolute Herrin der Musik) ausdrückt, das wurde in den geistlichen Werken des Thüringers Klang. Nahezu ausschließlich hat er geistliche Vokalwerke komponiert, die, mit den Worten Walter Blankenburgs, „eine Predigt sui generis“ darstellen. Heute gehören die Chorwerke des „Sagittarius“ (Schützen) zum unverzichtbaren Bestand von Chören und Kantoreien.

In zweierlei Hinsicht ist Kassel für Leben und Wirkung des Komponisten bedeutsam, der am 6. November 2022 vor 350 Jahren in Dresden starb. 1599 holte ihn der Kasseler Landgraf Moritz für eine umfassende Ausbildung in seine Residenzstadt und ermöglichte ihm den Aufenthalt in Venedig. Was aus Schütz ohne diese Förderung geworden wäre: Wer kann es wissen?

Der Bärenreiter-Verlag, seit 1927 in Kassel ansässig, hat schon 1929 eine Ausgabe der „Geistlichen Chormusik“ veröffentlicht, die wesentlich zur Wiederentdeckung Schütz‘ beitrug. Die ganze Breite seines Werks erschließt seit 1956 die bei Bärenreiter erscheinende, von der Internationalen Heinrich-Schütz-Gesellschaft herausgegebene „Neue Ausgabe sämtlicher Werke“, die kurz vor ihrer Vollendung steht. Die daraus abgeleiteten Ausgaben für die Chöre ermöglichen Aufführungen in Gottesdienst und Konzert überall auf der Welt.