Felix Mendelssohn Bartholdy. Sämtliche Briefe

Kulturgeschichtlicher Schatz ersten Ranges

Die Edition der Briefe Felix Mendelssohns ist abgeschlossen

Vom französisch verfassten Brief des Achtjährigen am 18. August 1817 bis zum Brief vom 1. November 1847, drei Tage vor seinem Tod. Mehr als 5.800 Briefe aus der Feder des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy sind erhalten, annähernd 200 pro Jahr hat er durchschnittlich verfasst. Als einer der wichtigen Briefschreiber des 19. Jahrhunderts hat Mendelssohn mit großer Sorgfalt, Stilsicherheit und Eloquenz eine umfangreiche Korrespondenz unterhalten. Sein Briefwechsel ist ein eindrucksvolles Dokument der Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts, ein Schatz einer in mehrfachem Sinne untergegangenen Zeit. Das friedliche Zusammenleben einer deutsch-jüdischen Gemeinschaft ist für immer verloren. Und: Briefeschreiben heute, im Zeichen von E-Mail und WhatsApp, ist eine Betätigung für Personen geworden, die man schnell als Sonderlinge abtut.

Dieses gewaltige, Staunen, ja Ehrfurcht erregende Briefkorpus liegt nun in einer mustergültigen Edition vor. Sie wurde seit 2008 von einer Arbeitsstelle an der Universität Leipzig herausgegeben und detailreich kommentiert. Fast 10.000 Seiten umfassen die zwölf prächtigen Bände aus dem Bärenreiter-Verlag zusammen.

Felix Mendelssohns Briefe, die auch unter literarischen Gesichtspunkten von großem Wert sind, zeigen das ganze Spektrum, das Briefe im 19. Jahrhundert als Medium zu erfüllen hatten. In eindrucksvoller Geschlossenheit sind sowohl Familien-, Reise- und Freundschaftsbriefe als auch Briefe an bedeutende Komponisten, Musiker, Künstler und Verleger sowie die amtliche Korrespondenz überliefert, die Mendelssohn zum Beispiel als Gewandhauskapellmeister führte. Enge Freunde wie der Legationsrat Carl Klingemann, der Historiker Johann Gustav Droysen, der Pfarrer Julius Schubring, Eduard Devrient und der Leipziger Advokat Heinrich Conrad Schleinitz stehen stellvertretend für viele andere, die in Mendelssohns großem Freundes- und Bekanntenkreis zu nennen wären. Berühmte Zeitgenossen wie Johann Wolfgang von Goethe, Carl Friedrich Zelter, Alexander von Humboldt gehörten zu den Korrespondenzpartnern.

Die Briefe Mendelssohns spiegeln durch den eigenen charakteristischen Blick des Komponisten seine Reisen wider, zeigen seine eindrücklichen Beobachtungen über Landschaften, dokumentieren aber auch seine bisher wenig beachtete Liebe zum Zeichnen, Skizzieren und Aquarellieren. Darüber hinaus sind die Briefe an seine Verleger unschätzbare Dokumente für die Entstehung, Drucklegung und Umarbeitung seiner musikalischen Werke. Die Korrespondenz zeigt, dass Mendelssohn in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts zu einer der zentralen Figuren der deutschen Musikkultur avancierte und ein europäisches Netzwerk des Musiklebens unterhielt.

Felix Mendelssohn Bartholdy: Sämtliche Briefe. Auf der Basis der von Rudolf Elvers angelegten Sammlung herausgegeben von Helmut Loos und Wilhelm Seidel. 12 Bände. Bärenreiter-Verlag Kassel 2008–2017. CD ROM (nur für Subskribenten) – Weitere InformationenProspekt

Leseprobe: Felix Mendelssohn in Schottland. Briefe vom 31. Juli bis 11. August 1829

Abschlussveranstaltung zur Briefedition

2. November 2011, 19.30 Uhr
Mendelssohn-Haus Leipzig
Vortrag: Peter Gülke
Mit musikalischem Programm
Eintritt frei – Der Bärenreiter-Verlag lädt herzlich ein

Stimmen zur Briefausgabe

„Unter den vielen brillanten Briefschreibern seiner Zeit steht [Mendelssohn] weit vorn, sprühend vor Lebendigkeit und Humor wie Mozart, Bilder ausmalend wie Runge oder Caspar David Friedrich oder er selbst in seinen Reiseskizzen, gescheit und sprachvirtuos wie nur irgendein Literat.“ (Peter Gülke)

„Dass Mendelssohn auch ein vorzüglicher Schriftsteller war, ein glänzender Stilist, hat man lange Zeit nicht sehen wollen oder man hat es zumindest unterschätzt. Hängt das etwa mit seinem Ruhm als Komponist zusammen? Haben sein Violinkonzert und seine ‚ Sommernachtstraum’-Musik es uns erschwert, die Vorzüge seiner leichten und subtilen Prosa zu erkennen? Wenn das zutreffen sollte, dann ist es jetzt höchste Zeit, sich mit seinen Schriften zu befassen, zumal mit seinen Briefen, diesen erstaunlichen Dokumenten der deutschen romantischen Literatur.“ (Marcel Reich-Ranicki)

„ein kultur- und geistesgeschichtliches Dokument ersten Ranges … ein enormes Lesevergnügen …“ (Die Musikforschung)

„Die Edition der gesamten Briefproduktion von Felix Mendelssohn-Bartholdy schenkt uns daher einen historischen und ästhetischen Dokumentenbestand allerersten Ranges." (SWR2 Musik aktuell)

„Pures Lesevergnügen.“ (Hessische-Niedersächsische Allgemeine)

„Eine umfassendere aktuelle Lebenserzählung des Komponisten gibt es derzeit nicht.“ (Bayern 4 Klassik)