Antonín Dvorák

Antonín Dvorák wurde in dem kleinen tschechischen Dorf Nelahozeves in bescheidenen Verhältnissen geboren, die ihn dazu bestimmt haben, eher ein Wirt oder Metzger als ein Künstler zu werden. Doch das Talent des Jungen machte es bald klar, dass die Musik sein Leben verändern könnte. Und so ist es auch geschehen. Antonín Dvorák ist in der ganzen Welt bekannt und gehört heute zu den am meisten gefeierten tschechischen Persönlichkeiten.

Die tradierten Vorstellungen, dass der Vater den Traum des kleinen Antonín, die Musik als Beruf zu wählen, zu unterbinden gesucht habe, gelten nicht mehr. Dvorák ist in freundlichen familiären Verhältnissen aufgewachsen, und die Familie war für ihn sein ganzes Leben lang genauso wichtig, wie sein Bedürfnis, Musik zu schreiben. Und gerade mit diesem seinen Trieb, seiner Spontaneität und Musikalität ist ein anderer Mythos verbunden, der den Komponisten als einen Menschen voll von göttlicher Einfalt missdeutet hat, der, sich seines Talents nicht bewusst, das, was aus ihm unbewusst „hervorgequollen“ sei, einfach nur niedergeschrieben habe. Die geniale melodische Ader Dvoráks haben manche Kritiker gegen ihn selbst gewendet und seine Werke für wenig durchgearbeitet gehalten. Aufgrund vieler musikologischer Analysen und neuerer Editionen kann man jedoch beweisen, dass genau das Gegenteil zutrifft. Das Klischee eines unbewussten Genies, das ohne intellektuelle Reflexion intuitiv gestaltet, entspricht in keiner Weise den Dokumenten, die Dvoráks Kompositionsprozess deutlich machen. Seine Skizzen, Entwürfe, Partituren, Listen von Korrekturen, sein Briefwechsel mit den Verlegern, die Vorarbeiten zu den Erstdrucken und die Existenz mehrerer Fassungen einiger Werke widersprechen dem Eindruck von Selbstverständlichkeit, den seine Kompositionen erwecken; ihre Entstehung ist vielmehr sehr oft von  vielfältigem Suchen und selbstkritischen Überlegungen begleitet; einige seiner Werke hat Dvorák auch vernichtet.

Heute, frei von jahrelangen Fehlinterpretationen, können wir feststellen, in welchem Ausmaß Dvoráks fesselnde Melodien durch raffinierte Harmonik, abwechslungsreiche Rhythmen, formale Raffinesse und außergewöhnliche Instrumentierung ausgestattet sind. Diese Verbindung eines natürlichen Talents mit hoher Meisterschaft macht Dvorák zu einem der größten Komponisten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dem es gelungen war, das Publikum auf der ganzen Welt anzusprechen. Sein kompositorisches Vermächtnis gehört zu Recht zum Weltkulturerbe.

Das vielfältige, alle Genres umfassende Werk des Komponisten verdient die größte Pflege von Forschern und Editoren. Der Bärenreiter Verlag mit seiner Filiale in Prag hat Dvorák zu einem der Schwerpunkte seines Verlagsprogramms gemacht. Neue Urtextausgaben einzelner Werke bringen neue Entdeckungen und vor allem eine perfekte  Gestaltungsgrundlage für die ausübenden Künstler. Die nunmehr zum großen Teil vollendeten Urtextausgaben von Liedern, Konzerten oder symphonischen Werken bilden ein neues, reales Bild von Antonín Dvorák.

Eva Velická