Maintz, Philipp
ferner, und immer ferner
musik für orgel solo
Edition no.
BA 9367
ISMN
9790006533695
Language(s) of text
German, English
Product format
Performance score(s)
Instrumentation
Organ Solo
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Uraufführung der Erstfassung am 25. August 2007, Kassel
Binding
Stapled
Pages / Format
24 S. - 35,5 x 25,0 cm
Uraufführung der Erstfassung am 25. August 2007 in Kassel, „documenta 12“: St. Martin, Eckhard Manz (Orgel)

Uraufführung der Neufassung am 16. Juni 2009 in Paris, Festival „Agora“: St. Eustache, Francesco Filidei (Orgel)

Werkkommentar
Meine ersten „Kompositionen“ waren Orgelstücke. Mein erster Berufswunsch, als ich 12 Jahre alt war, Organiste Titulaire an Saint Sulpice hier in Paris zu werden.Mein Orgelstück „ferner, und immer ferner“ ist daher auch ein wenig Ausdruck meiner Liebe zu dem Instrument, das ich nie so habe zu spielen gelernt, wie ich es gerne würde.Das Stück entfaltet sich zwischen zwei Polen: einerseits dem Kyrie aus der Messe de „L’homme armé sexti toni“ von Josquin Desprez und andererseits einem Textfetzen aus George Batailles Madame Edwarda, der die Frage nach einem sich der Welt abgewandten Gott in den Raum wirft: „Jenseits und über alles hinaus... ferner, und immer ferner... ER SELBST, in Ekstase über einer Leere... Und jetzt? ICH ZITTERE.“

„ferner, und immer ferner“ bezieht die Statik seiner formalen Anlage aus der Musik Desprez’: meine Musik verwandelt sich Atmosphäre an, Proportionen, Chimären einzelner Klänge, spielt mit dem Duktus der Josquin-musik im Sinne immer freier wachsender Übermalungen, fast Improvisationen – die Orgel ist ja auch das Instrument der Improvisation. Ich habe daraus weiter entwickelt und gesponnen, die Musik darüber hinaus wachsen lassen – in eine Richtung, die dem Ausgangspunkt immer ferner wird. Dennoch blieb mir beim Komponieren auch immer die Frage Batailles im Kopf, die die Richtung des Stückes immer mitbeeinflußt hat: ...Und jetzt? ICH ZITTERE.

Mein Orgelstück will keine liturgische Musik sein, zollt dieser Konnotation des Instrumentes dennoch Respekt. Ich habe festgestellt, läßt man sich auf das Instrument und seine Eigenheiten ein, eröffnen sich mannigfaltige Möglichkeiten, die der Phantasie Reibefläche bieten, sich zu entzünden.
Sollte ich Vorbilder nennen, so wären dies auf jeden Fall die französischen Romantiker mit ihren Orgelsinfonien, aber auch Charles Tournemire mit seinem aus der Mystik der katholischen Liturgie entstandenen Orgelwerk. Besondere Inspiration waren mir ebenso manche Auditions und Sonntagabendmessen, die ich hinter Jean Guillou sitzend auf der großen Orgel der Saint Eustache verbracht habe, sowie auch diverse Nächte, die ich – dank des von ihm großzügig geliehenen Kirchenschlüssels – auf diesem wunderbaren Instrument gespielt und Ideen auspobiert und zusammengesammelt habe.So verstehe ich dieses Orgelstück als eine Musik, die sich der Traditionen des Instruments bewußt ist, und diese gleichzeitig in meine Klangsprache zu überführen versucht, ihr meine Bedeutungen einschreibt.

„ferner, und immer ferner“ ist Eckhard Manz gewidmet, dessen Initiative und Einsatz das Stück seine Existenz verdankt und der die Uraufführung der ersten Fassung in Kassel gespielt hat. Ebenso Jean Guillou, mit herzlichem Dank für so manchen wertvollen Anstoß beim Komponieren. Die Tatsache, daß der brilliante Francesco Filidei das Stück hier in Saint Eustache uraufführt ist ideal: für diese Orgel habe ich es erträumt.

Berlin, 14 XII 2008

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