Tree of Heaven

Tree of Heaven
für Violine, Bratsche und Violoncello

Es ist merkwürdig, wie groß der Unterschied zwischen einem Streichquartett und einem Streichtrio für einen Komponisten sein kann. Die einzelne zusätzliche Violine überschreitet die Grenze von einer ausschließlich solistischen Besetzung zu einem Ensemble. Deswegen beschäftigt sich mein Stück eher mit den Individualitäten
als den Gemeinsamkeiten der Mitglieder eines Streichtrios.

Die erste Idee zu diesem Stück kam im letzten Jahr in Temple of Heaven
in Peking. Tree of Heaven ist der englische Name von Ailanthus altissima,
auf Mandarin chouchun, einem in China und mittlerweile auch anderswo
häufig wachsenden Baum, der als eine Metapher  einer Doppeldeutigkeit
gesehen werden kann: Einerseits wird er in der traditionellen chinesischen Medizin seit ihrem Anfang reichlich benutzt, anderseits er rottet selbst alles Danebenwachsende aus.

Dieses Stück handelt keineswegs von Pflanzen. Aber es folgt einem ähnlichen
Weg wie das Klettern auf einen großen Baum. Ein Weg von einem massiven
Erdanschluss über unübersichtliche Verzweigungen bis zum allerkleinsten Ausläufer, der  zwar immer noch angewachsen ist, aber bereits einen freien Raum zeigt. Auch dies ist doppeldeutig: will die Musik eher in die Sicherheit des Bodens oder in die Gefährlichkeit der Höhe führen?

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